Kontext und Terroir

Kontext und Terroir – die Schlüssel zu Önologie und Architektur

Zurzeit detaillieren wir mit dem Architekturbüro Bearth & Deplazes die zweite Erneuerungsetappe unseres Gehöfts. Nachdem wir 2006 das Wohnhaus gemeinsam renoviert haben, weicht diesen Herbst das ‹Stöckli› zugunsten des neuen Weinkellers.

«Uns Architekten verbindet mit dem Winzerpaar nebst dem Weingenuss der interessante Begriff ‹Terroir›, der mit dem architektonischen Begriff des ‹Kontext› verwandt ist, und in jedem Fall örtliche, manchmal ganz spezifisch lokale Qualitäten anspricht,» schreibt Andrea Deplazes in der Publikation ‹Archives 2› zum gemeinsamen Projekt ‹Weingut Obrecht›. So schaffen wir zusammen einen charaktervollen, stimmigen Ort, der unsere Weine und unser Wirken unverkennbar macht!

«Der neue Torkel, im Modellbild als u-förmiges Gebäude zu erkennen, beinhaltet im Kellergeschoss Cuverie, Flaschenlager, Reifekeller und im Hofgeschoss Büro, Küche, Degustationsraum und Remise. Das neue Gebäude bildet zusammen mit den Bestandes Bauten ein schlüssiges ortsprägendes Ensemble am Dorfeingang von Jenins.»

Bearth & Deplazes Architekten; Valentin Bearth, Andrea Deplazes, Daniel Ladner

Ein Bad für die Reben?

Ja, die Jungreben bekommen ein Wurzelbad, den ein in grosser Tag steht an. Wir pflanzen in der Jeninser Pfaffenrüti Chardonnay und Completer Reben. Die letzte Nacht ruhten die Rebwurzeln im biodynamischen Wurzelpräparat, einer Mischung aus Kuhfladen, Kalk, Regenwaser, Hornmist und homöophatischen Aconitum. Jetzt nichts wie ab in den Wingert, damit die Wurzel möglichst feucht in die Erde kommen.

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Terroirweine – wie ein Phönix aus der Asche

Wir stellen fest, dass grosse Weine ein unverkennbares Abbild der Landschaft, unserer Arbeitsweise und des Bodens sind. Sie sind die vollkommene Verschmelzung von Natur und schöpferischem Handwerk. Unser Schaffen verfeinert sich mit der Erfahrung stets. Doch wie steht es um unsere Böden? Das neu erschienene Buch «Stein und Wein» von AS Verlag liefert uns spannende Einblicke in unsere «Asche». In der Bündner Herrschaft wurden riesige Schuttmassen aus den Talflanken herausgewaschen und zu grossen Schwemmkegeln aufgeschüttet. Falknis und Vilan heissen die Berge, die stetig abgetragen werden. Kalkfelsen und Bündnerschiefer sind die Lieferanten von Karbonaten, Tonerde- und Silikatmineralen, welche von der Rebe durchwurzelt und als Akkumulator für Wasser und Nährstoffe gelten. Es ist das ausgewogene Verhältnis von Kalk und Ton, die Ausrichtung nach Süden, die Hanglage, die Höhe, das Klima, ja – der Mensch, – das Terroir.

Dem entspringt mit jedem Jahrgang ein kleiner Phönix in Form von Wein.

Chr.Rüfe

Exzellenter Jahrgang mit mehreren Premieren

Eine ausserordentlich trockene und milde Rebsaison führte zum Start des Wimmlets am 6. September mit dem Riesling Sylvaner. Aufgrund des anhaltend schönen Wetters gins es bereits sechs Tage, anstatt wie üblich zehn, an die Pinot Noir Ernte. Am Samstag den 15. September eine weitere Premiere – das erste Mal wimmlen in der Malanser Completerhalde. Bereits am 20. September konnten die Wimmlerkistli wieder verstaut, die Wimmlerpfannen wieder auf den Dachboden getragen werden. Der Keller schon prall gefüllt! Da schon freut sich die Familie auf die nächste Premiere – als Winzerfamilie Herbstferien in der Toskana!

Sept18F Wimmlen in der Herrschaft - Obrecht Weine

Vereinigung von edler Schokolade und Wein

Jenins war am Samstag 17.06.2017 für ein paar Stunden so etwas wie die Schoggi-Hochburg der Schweiz. Die Chocosuisse, die Vereinigung der Schokoladenhersteller, traf sich auf unserem Weingut zur Mariage der Genüsse. Die Confiserie Sprüngli hat in zwei «Truffes du Jour» Wein und edle Schokolade vereint. Die Komponente der Truffes du Jour Riesling Sylvaner galt es im lichten Weinberg zu entdecken – die Truffes du Jour Merlot Cru Sauvage im kühlen Keller. Unter den Teilnehmern waren mit den Vertretern von Chocolat Camille Bloch, Hug, Barry Callebaut, Sprüngli, Max Felchlin, Villars Maître Chocolatiers, Chocolats Bernrain und Chocolats Habla alles, was im Schoggiland Schweiz Rang und klingenden Namen hat.

(Text: Artikel Südostschweiz)

Schoggi

Später Wintereinbruch mit Frost

In der Nacht vom 19. auf den 20. April sind rund 80% der jungen Rebentriebe erfroren. Es bleibt nach dem Schock die Hoffnung. Der Pinot Noir könnte auf den Nebenaugen nochmals austreiben, wir müssen trotzdem mit einem happigen Ernteausfall rechnen.

Radiobericht im Regionaljournal Ostschweiz

2016_Frost
Completer Obrecht

Completer – Bündner Urgestein

«Mit dem raren Completer pflegen die Winzer Graubündens einen Schatz, um den sie viele Weinproduzenten des Landes beneiden» – so Martin Kilchmann im Artikel für Falstaff.

Und wir? Sind stolz, dass wir die weltweit grösste Completerfläche haben.

Completer

Schieferkugeln

Schiefer und die Liebe auf den ersten Blick!

Schiefer ist seit eh
Fruchtbarkeit,
Mineralität, Saftigkeit.

Schiefer ist seit eh –
Beim Anblick der knackigen
Trauben natürlich und wandelbar –
fein, fast unsichtbar.

Schiefer ist seit eh
Fruchtbarkeit.

An der Simei 2016, eine grosse Weinmesse in Norditalien, haben wir Sie das erste Mal gesehen, die sogenannten Clayver. Eine wunderschöne 250 l fassende Kugel aus Ton. Es war Liebe auf den ersten Blick! Denn obwohl wir nicht im Geringsten wussten, wo wir die Amphoren einsetzen wollten, kauften wir umgehend davon. Das Material Schiefer fasziniert – sowohl unser Wingertboden wie die Clayver bestehen grösstenteils aus Schiefer. Im Boden dienen die feinen Schiefer- bzw. Tonplättchen als Nährstoff- und Wasserspeicher zur Versorgung der Rebe. Ob die Schieferkugel das fruchtbare Bodenvorspiel vollenden kann? Ja, denn die Kugel atmet, der darin gereifte Wein lebt. Blanc de Noir, Riesling Sylvaner Schiefer und Completer wirken nach der Reifung im Clayver mineralisch frisch und rein.

Apollo 1 – fliegen Obrecht’s jetzt zum Mond?

Die langen Winterabende nutzten Christian V und Christian VI jeweils für Werkstattprojekte. Im Zuge der Umstellung des Weinguts auf Bio, drängte sind ein Elektroumbau auf. So ist aus einer Weinbergspritze die Apollo 1 entstanden. Die erste Weinbergspritze mit Elektroantrieb, welche dank dem Wasserkraftwerk in Jenins, CO2 neutral geladen werden kann.

1862 – Neuer Wein im alten Fass

Im Keller des Weinguts Obrecht steht diese Saison eine altgediente Holzbütte im Einsatz – darauf die Initialen CO 1862. Wir treffen Christian IV und V im Keller an und erfahren mehr.

Christian, in deinem Keller fällt ein Gärbehälter besonders auf. Es ist die speckig wirkende Bütte 1862 … ?
Christian V: Ja, die Bütte fasziniert mich seit Bub. Sie stand viele Jahre auf dem Tenn und hat mich nie losgelassen, so dass sie sämtlich Räumungsaktionen auf dem Weingut überstanden hat. Im Frühling 2017 meinte der befreundete Küfer, Martin Thurnheer, dass er die Bütte restaurieren könne. Da gab’s kein Halten mehr.
Christian IV ergänzt: Wirklich erstaunlich, denn die Bütte wurde 1862 hergestellt. Gemäss meinem Vater Christian III liess die Bütte Johann Lorenz Hertner herstellen. Wenn man genau hinschaut, erkennt man hinter dem CO die alten Besitzer anhand der Initialen JLH.

Dann ist die Bütte sozusagen als Mitgift in die Sonne gekommen?
Christian IV: Nein, 1910 bauten Christian Obrecht II und sein Bruder Jakob gemeinsam den Torkel. Zum Vergären der Rotweinmaische wurden sogenannte Zwangsbütten angeschafft, vermutlich war damals bei Hertners im Oberdorf eine feil.
Christian V: Im Gegensatz zu den konischen offenen Bütten, die wir heute vorwiegend verwenden, ist die Zwangsbütte geschlossen und zwingt so den aufsteigenden Tresterhut im Saft zu bleiben.

Werden darin immer noch Rotweine vergoren?
Christian V: Nein, Francisca und ich haben uns für die Maischegärung bei Weissweinen begeistert. Drum verwenden wir die Bütte 1862 zuerst für den Riesling Sylvaner, dann für den Chardonnay und abschliessend für den Completer. Die Erntetermine der drei Sorten liegen je 10-14 Tage auseinander, so dass wir die Bütte stets wieder befüllen können.

Die Bütte bewährt sich, wieso stand Sie so viele Jahre auf dem Tenn?
Christian IV: Jede Generation entwickelt sich weiter, kombiniert Altbewährtes mit Neuem. Drum haben Elsbeth und ich 1981 den Keller mit Chromstahltanks auf den neusten Stand gebracht und die alten Holzbütten verschwanden.
Christian V: Man war der Meinung, dass Chromstahl hygienischer und praktischer sei. Faszinierend bleibt, dass in der Holzbütte von 1862 bis 1981 weit über 100 Jahrgänge vergoren wurden. Danach stand sie fast 40 Jahre auf dem Tenn. Ihr Holz ist sauber und frisch geblieben, so dass in ihr geniale Jungweine entstehen – ein Phänomen!

Die Freude der beiden Christians ist gross, dass die Bütte erneut im Einsatz steht.

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