1862 – Neuer Wein im alten Fass

Im Keller des Weinguts Obrecht steht diese Saison eine altgediente Holzbütte im Einsatz – darauf die Initialen CO 1862. Wir treffen Christian IV und V im Keller an und erfahren mehr.

Christian, in deinem Keller fällt ein Gärbehälter besonders auf. Es ist die speckig wirkende Bütte 1862 … ?
Christian V: Ja, die Bütte fasziniert mich seit Bub. Sie stand viele Jahre auf dem Tenn und hat mich nie losgelassen, so dass sie sämtlich Räumungsaktionen auf dem Weingut überstanden hat. Im Frühling 2017 meinte der befreundete Küfer, Martin Thurnheer, dass er die Bütte restaurieren könne. Da gab’s kein Halten mehr.
Christian IV ergänzt: Wirklich erstaunlich, denn die Bütte wurde 1862 hergestellt. Gemäss meinem Vater Christian III liess die Bütte Johann Lorenz Hertner herstellen. Wenn man genau hinschaut, erkennt man hinter dem CO die alten Besitzer anhand der Initialen JLH.

Dann ist die Bütte sozusagen als Mitgift in die Sonne gekommen?
Christian IV: Nein, 1910 bauten Christian Obrecht II und sein Bruder Jakob gemeinsam den Torkel. Zum Vergären der Rotweinmaische wurden sogenannte Zwangsbütten angeschafft, vermutlich war damals bei Hertners im Oberdorf eine feil.
Christian V: Im Gegensatz zu den konischen offenen Bütten, die wir heute vorwiegend verwenden, ist die Zwangsbütte geschlossen und zwingt so den aufsteigenden Tresterhut im Saft zu bleiben.

Werden darin immer noch Rotweine vergoren?
Christian V: Nein, Francisca und ich haben uns für die Maischegärung bei Weissweinen begeistert. Drum verwenden wir die Bütte 1862 zuerst für den Riesling Sylvaner, dann für den Chardonnay und abschliessend für den Completer. Die Erntetermine der drei Sorten liegen je 10-14 Tage auseinander, so dass wir die Bütte stets wieder befüllen können.

Die Bütte bewährt sich, wieso stand Sie so viele Jahre auf dem Tenn?
Christian IV: Jede Generation entwickelt sich weiter, kombiniert Altbewährtes mit Neuem. Drum haben Elsbeth und ich 1981 den Keller mit Chromstahltanks auf den neusten Stand gebracht und die alten Holzbütten verschwanden.
Christian V: Man war der Meinung, dass Chromstahl hygienischer und praktischer sei. Faszinierend bleibt, dass in der Holzbütte von 1862 bis 1981 weit über 100 Jahrgänge vergoren wurden. Danach stand sie fast 40 Jahre auf dem Tenn. Ihr Holz ist sauber und frisch geblieben, so dass in ihr geniale Jungweine entstehen – ein Phänomen!

Die Freude der beiden Christians ist gross, dass die Bütte erneut im Einsatz steht.

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